Eröffnung des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Fürstenfeldbruck, Ortsteil Puch - Grußwort von Herrn Reinhold Bocklet, MdL

Grußwort von Herrn Reinhold Bocklet, MdL
I. Vizepräsident des Bayerischen Landtags

Der heutige Tag bildet den eindrucksvollen Abschluss eines langen Weges, der vor über fünf Jahren begonnen hat, manchmal sehr mühsam und holprig war und nun zu einem stattlichen Ergebnis geführt hat, das jedes Lob verdient. Wenn man das Projekt von Anfang an begleitet hat, dann darf man sich mit Recht auch über den Erfolg freuen, den wir heute mit der Einweihung feiern können.

Seitdem ich als Landwirtschaftsminister im Rahmen der Reform der bayerischen Landwirtschaftsverwaltung die Kreisstadt Fürstenfeldbruck als zentralen Standort und Sitz des neuen Verbundamtes für die drei Landkreise Fürstenfeldbruck, Dachau und Landsberg festgelegt hatte, lag mir verständlicherweise die Zukunft dieses Amtes besonders am Herzen. Dann kam hinzu, dass die Forstreform meines Nachfolgers die Zusammenlegung der Forstämter mit den Landwirtschaftsämtern vorsah und die vorhandenen Räume im alten Landwirtschaftsamt samt Schule in der Bismarckstraße nicht mehr ausreichten. Da traf es sich gut, dass das Landwirtschaftsministerium mit dem Versuchsgut Puch in der Stadt Fürstenfeldbruck eine geeignete Liegenschaft besaß, die für eine Standortzusammenlegung besonders geeignet war und deren eigenständige Zukunft keineswegs gesichert schien. Einen kräftigen Impuls bekam die Idee eines Grünen Zentrums durch den Bayerischen Bauernverband, der für den Fall der Zusammenlegung der staatlichen Ämter und der Schule nachdrücklich darauf drängte, die Geschäftsstellen seiner verbandlichen Selbsthilfeeinrichtungen mitzuintegrieren. So kam es dazu, dass Puch bereits zu einem frühen Zeitpunkt im Jahr 2007 von den Beteiligten als idealer Standort bewertet wurde. Für den Landkreis erwies es sich einige Zeit später als Glücksfall, dass der damit notwendige Neubau der Landwirtschaftsschule in das Konjunkturprogramm II des Bundes mit einem Förderbetrag von rund 2,6 Mio. Euro aufgenommen werden konnte und dass die Maßnahme bis spätestens 31. Dezember 2011 komplett abgerechnet sein musste. An dieser Stelle möchte ich ausdrücklich dem damaligen Amtschef des Landwirtschaftsministeriums, MD Josef Huber, und dem damaligen Finanzminister Georg Fahrenschon danken, die in ihren Häusern auch gegen Widerstände für die notwendigen Entscheidungen sorgten.

Nachdem die Machbarkeitsstudie der Staatsbauverwaltung 2008 den Abriss der alten Gebäude und einen Neubau empfohlen hatte, einigten sich die drei Beteiligten, Staat, Landkreis und BBV darauf, einen gemeinsamen Gebäudekomplex als land-, forst- und hauswirtschaftliches Dienstleistungszentrum mit dem Amt für Land- und Forstwirtschaft, der Landwirtschaftsschule, dem Staatlichen Versuchsgut und den Selbsthilfeeinrichtungen des Bauernverbandes zu errichten. Dabei war man sich einig, dass jeder für sich selber auf eigenem Grund und auf eigene Kosten baut. Damit sich der gesamte Komplex als bauliche Einheit darstellt und harmonisch in das Ortsensemble einfügt, wurde der Staatl. Bauverwaltung die Festlegung der äußeren Gebäudehülle federführend übertragen. Der BBV übernahm die energetische Versorgung des Gesamtkomplexes sowie die Außenanlagen.

Der Pilot- und Vorbildcharakter des Grünen Zentrums Puch kommt besonders darin zum Ausdruck, dass es sich um das erste Gemeinschaftsprojekt von Staat, Landkreis und Bauernverband in Bayern handelt, das noch dazu nicht von einem privaten Träger, sondern von jedem der drei Partner in Realteilung errichtet worden ist. Außerdem werden erstmals in Puch die Agrar- und Forstverwaltung, die Landwirtschafts- und Hauswirtschaftsschule, die pflanzenbauliche Agrarforschung und die bäuerlichen Selbsthilfeeinrichtungen gebündelt und räumlich zusammengefasst. Dieses Modell findet inzwischen schon Nachahmung z.B. in Holzkirchen und Kaufbeuren.

Es liegt aber auf der Hand, dass bei dieser Konstruktion die Abstimmung unter den drei Trägern der schwierigste Teil der Durchführung des Projekts war. Dabei ging es nicht nur um typische Fragen der Baubetreuung, sondern auch um die Vermittlung zwischen den Ministerien und darum, Entscheidungsprozesse zu beschleunigen und Streitfälle zu schlichten. Ich nenne als Stichworte nur

  • die Frage nach einer Bestandsgarantie für die Schule,
  • den Verbleib der Feuerwehr in der Maschinenhalle oder in einem Neubau,
  • den von der SPD im Kreistag ins Gespräch gebrachten Alternativstandort Gut Roggenstein,
  • den rechtlichen Status der Streuobstwiese gegenüber dem Zentrum,
  • die Beilegung des Streits um die Grundstückspreise im Wege eines Schiedsverfahrens
  • die architektonisch und städtebaulich optimale Situierung der einzelnen Gebäude,
  • die vorgezogene Planung durch die staatliche Bauverwaltung, wofür ich mich beim Leitenden Baudirektor Gerhard Breier für sein unbürokratisches Handeln herzlich bedanke,
  • die reibungslose Genehmigung der staatlichen Mittel durch den Haushaltsausschuss in Höhe von insgesamt 9,3 Mio. Euro und
  • die kreative Haushaltsbewirtschaftung durch das Landwirtschaftsministerium; hier gebührt dem Amtschef Martin Neumeyer ein besonderer Dank; ohne sein Eingreifen säßen wir heute noch nicht hier
  • und schließlich die reibungslose und unkomplizierte Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Bauernverband.

Dieses Grüne Zentrum ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass es gelungen ist, drei unterschiedliche Träger zu einer großen Baumaßnahme zusammenzuführen und die Planungen pragmatisch aufeinander abzustimmen, so dass am Ende eine vorbildliche Einrichtung entstanden ist. Deshalb geht der Dank an den Oberbürgermeister Sepp Kellerer und den Landrat Thomas Karmasin sowie an die Gremien und Verwaltungen von Stadt und Landkreis, an die Staatsbauverwaltung und die beteiligten Ministerien, an den Landtag und an die Geschäftsstelle und das Generalsekretariat des Bayerischen Bauernverbandes mit Generalsekretär Hans Müller sowie an die Architekten und die Bauleute. Stadt und Landkreis können sich über den Zugewinn an Attraktivität und zentralörtlicher Bedeutung wahrlich freuen.

Mein Glückwunsch gilt allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Landwirtschafts- und Forstverwaltung und der Hauswirtschaft, des Staatlichen Versuchsguts sowie der Selbsthilfeeinrichtungen des BBV und den Studierenden der Landwirtschaft und der Hauswirtschaft, ihren Lehrkräften und allen bäuerlichen Betrieben im Raum nördlich und westlich von München. Dieses großzügige landwirtschaftliche Kompetenzzentrum in den architektonisch und ökologisch gelungenen Gebäuden stellt einen wichtigen Beitrag für die Selbstbehauptung unserer Land-, Ernährungs- und Forstwirtschaft, unserer Bäuerinnen und Bauern im harten Wettbewerb der Zukunft dar. Es ist gleichzeitig Ausdruck eines großen Gemeinschaftswerkes für den ländlichen Raum.

In diesem Sinne wünsche ich allen, die hier ein- und ausgehen, viel Erfolg und eine glückliche Zukunft und den Bürgerinnen und Bürgern von Puch eine zufriedenstellende Nachbarschaft.