Der Trend an Gymnasien geht zum G9 - MdL Bocklet sprach mit den Schulen seines Stimmkreises

Der Trend geht eindeutig in Richtung G9. Das ist das Ergebnis von Gesprächen, die Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet mit den Schulleitungen der fünf Gymnasien geführt hat, die in seinem Stimmkreis in Germering, Gröbenzell, Olching und Puchheim liegen. Da die CSU-Landtagsfraktion bis spätestens Ostern eine endgültige Entscheidung über die künftige Dauer des bayerischen Gymnasiums treffen wird, war es dem Stimmkreisabgeordneten Reinhold Bocklet ein Anliegen, Wünsche, Tendenzen und Erfahrungen aus der schulischen Praxis im unmittelbaren Kontakt mit den Verantwortlichen kennen zu lernen.

Dabei konnte er im Fall des Gymnasiums Puchheim auf den dortigen Probelauf der Mittelstufe Plus zurückgreifen, für den er sich seinerzeit eingesetzt hatte, um im Umfeld von München praktische Erfahrungen mit der Alternative zum G8 sammeln zu können. Insgesamt läuft dieser Schulversuch an 47 Gymnasien in ganz Bayern. Dort wie an den anderen Gymnasien bestätigte sich inzwischen der landesweite Trend von rund 70 Prozent in Richtung neunjähriges Gymnasium.

Zwar komme man auch mit dem G8 überwiegend gut zurecht, auf das man sich inzwischen eingestellt habe, so einige Schulleitungen. Aber bei realistischer Betrachtungsweise werde die große Mehrheit das G9 wählen, wenn man der einzelnen Schule die Entscheidung überlassen würde. Vor dieser „Horrorvision“, nämlich dem Wählen müssen zwischen G8 und G9 vor Ort, warnten allerdings übereinstimmend die Schulleitungen. Davon hat offenbar auch das Kultusministerium inzwischen Abstand genommen, das seinerseits große Probleme vor allem im ländlichen Raum im Fall eines Nebeneinanders von G8 und G9 sieht. Deshalb dürfte es nach allgemeiner Überzeugung als Ergebnis der weitgehend abgeschlossenen Dialogphase auf die flächendeckende Erweiterung des bayerischen Gymnasiums auf neun Jahre hinauslaufen. Für Schüler, die das Gymnasium auch in acht Jahren bewältigen können, soll es wie bisher – verbesserte – Durchstiegsmöglichkeiten geben. Der übereinstimmende Wunsch aller Verantwortlichen war eine landesweit einheitliche Regelung und ein Ende der ständigen Experimente. „Wir brauchen Ruhe in der Schule“, war die einhellige Feststellung. Für das 9jährige Gymnasium wurde vor allem die Möglichkeit der Vertiefung des Stoffes und die Verbesserung der Studierreife angeführt.

Ganz allgemein wird eine veränderte Bewusstseinslage der Öffentlichkeit für den starken Trend zum G9 verantwortlich gemacht. Stand in den Nuller Jahren im Zeichen von Deregulierung, Globalisierung und dem sogenannten Bologna-Prozess der rasche Durchlauf von Schule und Studium unter Wirtschafts- und Wettbewerbsgesichtspunkten im Vordergrund, so genießt heute eine vertiefte Schulbildung und ein größerer Freiraum zur Persönlichkeitsentwicklung eine höhere gesellschaftliche Wertschätzung. Hinzu kommt, dass der landesweite Anstieg der Übertrittsquote von ca. 26 auf über 40 Prozent auch eine breitere Streuung der Begabungen zur Folge hat.

Einigkeit besteht in der CSU-Fraktion, dass eine endgültige Festlegung der Dauer der gymnasialen Schulzeit nicht ohne gleichzeitige Entscheidung über die damit verbundenen Konsequenzen und eine solide Vorbereitung getroffen werden darf. Einen Hauruck-Beschluss ohne Vorbereitung wie im Jahr 2003 dürfe es nicht mehr geben. Dabei geht es u.a. um den Zeitpunkt des Starts der Neuregelung, die Zahl der benötigten Lehrer, die Stundentafel und die Lehrpläne, den Beginn der zweiten Fremdsprache, die notwendigen Investitionen, die Auswirkungen auf die Kommunen, die Konsequenzen für das Konnexitätsprinzip und die Gesamtkosten für Staat und Kommunen. Nach Aussagen von Ministerpräsident Horst Seehofer wird die Entscheidung über die künftige Dauer des bayerischen Gymnasiums nicht an der Frage der Kosten scheitern.