Knapp 70 Prozent wählen die Mittelstufe Plus - MdL Bocklet informiert sich im Gymnasium Puchheim

 

Anträge der Oppositionsparteien im Bayerischen Landtag, die u.a. eine rasche Entscheidung zugunsten der Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums (G9) in Bayern verlangten, waren für Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet aktueller Anlass, sich vor Ort bei Schulleiter Georg Baptist und seinem Stellvertreter Peter Mareis unmittelbar persönlich beim einzigen M+ – Schulversuch im Landkreis Fürstenfeldbruck zu informieren. Bocklet hatte sich seinerzeit nachdrücklich für die Einbeziehung des Puchheimer Gymnasiums in den landesweiten Schulversuch der Mittelstufe Plus eingesetzt, der an 47 bayerischen Gymnasien läuft. Während die SPD die „Rückkehr zum G9 jetzt" verlangte und die Freien Wähler die Vorlage eines Konzepts bis zum Sommer forderten, vertrat die CSU die Position, zunächst den beschlossenen Fahrplan einzuhalten und nicht schon nach knapp einem Jahr des Modellversuchs endgültige Entscheidungen zu treffen. Allerdings werde man, wie Staatsminister Ludwig Spaenle betonte, die zwei Modelljahre nicht voll ausschöpfen, um rechtzeitig zum Schuljahresbeginn 2017/18 ein endgültiges Konzept umsetzen zu können. Bocklet legte bei seinem Besuch im Puchheimer Gymnasium vor allem darauf Wert, dass die Konsequenzen aus dem Schulversuch zu einer überzeugenden dauerhaften Lösung für das bayerische Gymnasium führen, die einer möglichst großen Zahl von Schülern gerecht werde.

Wie Oberstudiendirektor Baptist mitteilte, sei die Anmeldung für die Mittelstufe Plus an seiner Schule von 57 % im laufenden Schuljahr auf 68 % für das kommende Schuljahr angestiegen. Damit liege Puchheim im landesweiten Trend von ca. 70 %. Für eine bayernweite Einführung der Mittelstufe Plus sprächen die hohe Zufriedenheit aller Beteiligten, sowohl mit dem Regelzug als auch mit dem M+ – Zug sowie die intensivere Förderung aller Schüler in den Kernfächern bei homogeneren Klassen, so der Schulleiter. Allerdings bestehe die Gefahr, dass es kein wirklich einheitliches bayerisches Gymnasium mehr gebe und es zu einer Spaltung in je einen Zug der schlechten und der guten Schüler komme. Außerdem könne im Mittelstufen Plus – Zug die mittlere Reife am Gymnasium erst nach 7 Schuljahren im Gegensatz zu 6 Jahren an Real- und Mittelschule erworben werden. Eine flächendeckende Einführung der Mittelstufe Plus führe allerdings bei Parallelführung der beiden Züge zu einer enorm hohen Komplexität sowie zu großem organisatorischen, raumtechnischen und budgetintensiven Aufwand. Ministerpräsident Horst Seehofer hatte in seinen Ausführungen beim Basis-Kongress der CSU in Fürstenfeldbruck Sympathie für ein Angebot beider Züge in der Mittelstufe erkennen lassen. CDU und Grüne in Baden-Württemberg haben aber ein Nebeneinander von acht- und neunjährigem Gymnasium in ihrem Koalitionsvertrag aus Kostengründen abgelehnt.

Die Puchheimer Schulleitung scheint einer Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium den Vorzug zu geben, wobei jedoch bewährte Elemente des derzeitigen achtjährigen Gymnasiums wie z.B. die Intensivierungsstunden beibehalten werden und Leistungskurse wieder eingeführt werden sollten. Darüber hinaus wird die Rückkehr zu 4 Abiturprüfungsfächern befürwortet. Auch eine maßvolle Erhöhung der Wochenstundenzahl von 265 auf 272 wird befürwortet. Das G8 könnte in einem Angebot „guter Schnittstellen für Überspringer" teilweise erhalten werden.

Nach Ansicht von Landtagsvizepräsident Bocklet ist es für eine abschließende Bewertung der Mittelstufe Plus und für eine Entscheidung für die Zeit nach der Pilotphase noch zu früh. Die Weiterentwicklung des bayerischen Gymnasiums dürfe nicht nur auf die Mittelstufe Plus beschränkt werden. Sie sei vielmehr ein komplexer Gesamtprozess, in das die Erfahrungen der Pilotschulen wie des Puchheimer Gymnasiums einfließen müssten.