Wirtschaftsausschuss verneint Machbarkeit der Sprinterzüge - Behauptungen der Verkehrsplaner durch Innenministerium widerlegt

Der Wirtschaftsausschuss des Bayerischen Landtags hat sich erneut mit der Forderung nach Sprinterzügen auf der S 4 – West befasst, die Machbarkeit der Vorschläge der Verkehrsplaner Karl-Dieter Bodack und Karlheinz Rößler aber klar verneint. Die Grundlage für diese Entscheidung bildete eine detaillierte Stellungnahme, in der sich Verkehrsexperten des Innenministeriums ausführlich mit den Behauptungen der beiden Verkehrsplaner auseinandergesetzt und diese in vollem Umfang widerlegt haben. Dies teilt der Stimmkreisabgeordnete für Fürstenfeldbruck-Ost, Reinhold Bocklet, nach der Sitzung mit.

Ausgangspunkt der erneuten Behandlung des Themas im Landtag war die Behauptung der beiden Verkehrsplaner, die Information der Ausschussmitglieder und die darauf beruhende Ablehnung der Position des Landkreises Fürstenfeldbruck seien auf der Basis falscher Informationen erfolgt. Landtagsvizepräsident Bocklet hatte sich daraufhin schriftlich an Staatsminister Joachim Herrmann gewandt und eine Verständigung der Fachstellen über die Fakten als Grundlage für eine politische Bewertung angeregt. Die dem Ausschuss nun vorgelegte, ins Einzelne gehende Stellungnahme des Innenministeriums kommt allerdings zu dem Ergebnis, dass keines der von Bodack/Rößler angeführten Argumente greift. Dabei hat sich die Oberste Baubehörde detailliert mit der Ausgestaltung der Bahnsteiginfrastruktur am Bahnhof Fürstenfeldbruck und den notwendigen Kapazitäten auf der Strecke auseinandergesetzt. Insbesondere weist die Stellungnahme nach, dass es den von Bodack/Rößler bestrittenen Fahrplankonflikt zwischen S4X-Zügen in Richtung Fürstenfeldbruck und dem Regionalverkehr in Richtung Garmisch-Partenkirchen im Bahnhof Pasing tatsächlich gibt. Außerdem wird auch die Ablehnung der Fahrplankonstruktion von 2 Minuten Durchfahrzeit eines eingleisigen Abschnittes durch die DB AG von den Experten des Ministeriums bestätigt. Ebenso wird das Bestehen des von Bodack/Rößler bestrittenen Trassenkonflikts auf der Strecke westlich Pasing für drei EC-Züge nachgewiesen. Schließlich halten die Ministeriumsexperten auch die Aussagen von DB AG und BEG (Bayer. Eisenbahngesellschaft) für begründet, dass für den für die S4X-Züge notwendigen Bahnsteig in Fürstenfeldbruck eine mehrjährige Planungs-, Genehmigungs- und Bauzeit rechtlich zwingend anzusetzen wäre.

MdL Bocklet bedauerte im Ausschuss, dass die Behauptungen von Bodack/Rößler fachlich nicht überzeugt haben und der Antrag deshalb abgelehnt werden musste. Trotzdem bleibe es Aufgabe der Politik alles zu unternehmen, um die notwendigen Maßnahmen zur Verbesserung der Situation auf der S 4 – West voranzutreiben. Dies gelte insbesondere für das dritte Gleis und punktuelle Verbesserungen in den Hauptverkehrszeiten.

Zur persönlichen Meinungsbildung wird die nachfolgende Stellungnahme der Obersten Baubehörde im Wortlaut beigefügt:

Sachverhalt

Zu den von Herrn Prof. Bodack, der von Herrn Rößler vom Büro Vieregg-Rössler GmbH unterstützt wird, vorgebrachten Argumenten aus der Mail vom 23. März 2015, die die Machbarkeit der Sprinter-Züge (S4X) belegen soll, kann ausgeführt werden:

Die RB-Züge Richtung Garmisch verkehren in Pasing jede Stunde zu den Minuten 05 oder 06 und 39 oder 40, die S4X-Züge sollen in Richtung FFB zur Minute 14 halten, da ist kein Fahrplankonflikt erkennbar.

Grundlagen der Prüfungen bei den Fachstellen der DB und BEG war der Bericht von Herrn Prof. Bodack und dem Büro Vieregg-Rössler vom 18. Dezember 2013 „Aktualisierung der Pläne für eine S-Bahn-Express-Verkehr Fürstenfeldbruck – München Hbf“, wie er der Eingabe von Herrn Landrat Karmasin vom 3. Februar 2014 an den Bayerischen Landtag betreffend „Zusätzliche Zugangebote auf der S-Bahnstrecke der S4 West“ beigefügt war.

Gemäß den Darstellungen im Bericht von Bodack/Vieregg-Rössler sollen die S4X-Züge stündlich zur Minute 42 und nicht wie in der Mail dargestellt zur Minute 14 den Bahnhof Pasing in Richtung Fürstenfeldbruck verlassen (siehe Anlage, Seite 6 des Berichtes). Die Ankunftszeit dieser Züge im Bahnhof Pasing liegt somit zur Minute 41. Die Abfahrt im Bahnhof Pasing des Regionalverkehrs in Richtung Garmisch-Partenkirchen erfolgt zur Minute 39. Es besteht somit sehr wohl ein Fahrplankonflikt im Bahnhof Pasing, wie ihn die DB auch benannt hat. Denn die zwei Minuten Differenz zwischen der Abfahrt des Regionalverkehrs in Richtung Garmisch-Partenkirchen und der Ankunft des S4X genügen nicht, hier sind mindestens fünf Minuten zwischen Abfahrt des ersten Zuges und Ankunft des zweiten Zuges erforderlich.

Der Zeitpuffer auf dem sehr kurzen eingleisigen Abschnitt bei Pasing beträgt nach unseren Planungen etwa 2 Minuten: einen so kleinen Zeitpuffer praktiziert die DB selbst zu den Minuten 58 und 00 bei RE-Zügen von und nach FFB. Da unser Fahrplan 10 bzw. 7 Minuten Wendezeit aufweist, lassen sich die Fahrten der S4X ggf. auch um bis zu 2 Minuten verschieben

Die S4X-Züge sollen nach den Überlegungen von Bodack/Rößler zur Minuten 42 den Bahnhof Pasing in Richtung Fürstenfeldbruck verlassen. Gemäß der Fahrzeitberechnung würden die S4X-Züge etwa eine bis eineinhalb Minuten später den eingleisigen Abschnitt im Westkopf des Bahnhofs Pasing durchfahren. Den selben eingleisigen Abschnitt muss die S4 aus Richtung Fürstenfeldbruck etwa zur Minute 44 durchfahren, um zur Minute 46 am Bahnsteig im Bahnhof Pasing anzukommen. Die Zeitpuffer von einer bis maximal zwei Minuten zwischen Durchfahrt des S4X durch den eingleisigen Abschnitt und anschließender Durchfahrt der S4 durch den eingleisigen Abschnitt, muss mit Blick auf die Fahrplanqualität (Pünktlichkeit) als unzureichend bewertet werden. Jede geringe Abweichung vom Fahrplan würde unweigerlich direkte Auswirkungen auf den Zug der Gegenrichtung haben, so dass die DB zu Recht eine solche Fahrplankonstruktion ablehnt.

Das von Bodack/Rößler angeführte Argument, dass die DB selbst mit so kleinen Zeitpuffern arbeitet, greift nicht. Die Regionalzüge aus Richtung Fürstenfeldbruck kommen zur Minute 58 im Bahnhof Pasing an, sind zuvor durch den eingleisigen Abschnitt gefahren. Zur Minute 00 fahren in der entgegengesetzte Richtung die Regionalzüge in Pasing ab und fahren dann durch den eingleisigen Abschnitt. Somit beträgt die Zeitdifferenz in dem beide Züge den eingleisigen Abschnitt durchfahren etwa fünf Minuten. 

Die DB AG meint offensichtlich die nachmittags verkehrenden EC-Züge: Sie fahren auf ganz anderen Gleisen von München Hbf bis kurz vor „Leienfelsstraße“. Erst dann folgen ihnen jeweils ein S4X-Zug in 4 Minuten Abstand. Das ist unproblematisch, da ja der S4X-Zug in Puchheim halten soll und sich der Abstand dann vergrößert.

Von den aktuell vier täglichen Eurocity-Zügen (EC) zwischen München und Zürich besteht bei drei EC-Zügen (12.33 Uhr, 16.33 Uhr und 18.33 Uhr ab München Hbf) der Trassenkonflikt mit den S4X-Zügen. Nach den Überlegungen von Bodack/Rößler soll der S4X zur Minuten 42 den Bahnhof Pasing in Richtung Fürstenfeldbruck verlassen. Genau zur selben Zeit nutzt jedoch der EC das Streckengleis westlich von Pasing auf seinem Weg nach Zürich. Der von der DB benannte Trassenkonflikt ist also faktisch gegeben.

Die Behauptung, dass der Bau eines Bahnsteigs an Gleis 1 in FFB drei bis vier Jahre dauern wird, ist unhaltbar: Die DB plant den Aufbau bereits zum Dezember 2015 mit der Inbetriebnahme zum 13.12.2015, um dort täglich jeweils einen Doppelstockzug je Richtung halten zu lassen. Es handelt sich dabei um die Züge 6.40 Uhr nach München und 16.59 Uhr aus München, die heute an Gleis 2 bzw. 3 halten. Sie sollen mit Doppelstockwagen gefahren werden, die am 90 cm hohen Bahnsteig der Gleise 2 und 3 nicht halten können. Allerdings wird der Bahnsteig nur auf 38 cm Höhe gebracht, erreicht damit für die 55 cm hohen Einstiege der Doppelstockwagen aus.

Am Gleis 1 des Bahnhofs Fürstenfeldbruck befindet sich derzeit ein Bahnsteig mit einer Höhe, die kaum über die Schienenoberkante hinaus ragt. Aktuell wird das Gleis 1 im Schienenpersonenverkehr nicht genutzt. Nach Informationen von DB Station und Service hat der Bahnsteig eine Zulassung für eine Höhe von 38 cm über Schienenoberkante.

Da die DB plant, ab Fahrplan 2016 (ab 13. Dezember 2015) bei den beiden Regionalzügen, die in Fürstenfeldbruck halten (6.40 Uhr nach München, 16.59 Uhr von München), Doppelstockwagen mit einem 55 cm hohen Fahrgasteinstieg einzusetzen. Diese Fahrzeuge können aufgrund des für Fahrgäste nicht mehr überwindbaren Höhenunterschieds nicht am 96 cm hohen Bahnsteig zwischen Gleis 2 und 3 halten.

Um dennoch die Regionalzughalte weiter zu ermöglichen, ist DB Station und Service bemüht, den Bahnsteig am Gleis 1 auf die Höhe von 38 cm bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2015 umzubauen. Da diese Höhe bereits zugelassen ist, müssen keine Genehmigungsverfahren beim Eisenbahn-Bundesamt durchlaufen werden, so dass der Umbau bis zum Fahrplanwechsel möglich erscheint.

Anders verhält es sich bei der Umgestaltung des Bahnsteigs am Gleis 1 im Bahnhof Fürstenfeldbruck, wie er für S4X-Züge erforderlich wäre. Der Bahnsteig müsste 96 cm hoch sein und nach den aktuellen gesetzlichen und technischen Vorgaben neu errichtet werden. Dieser Bahnsteigneubau bedingt Neuplanungen und ein Genehmigungsverfahren beim Eisenbahn-Bundesamt. Somit sind die Aussagen von DB und BEG fachlich begründet, dass für den für die S4X-Züge notwendigen Bahnsteig in Fürstenfeldbruck eine mehrjährige Planungs-, Genehmigungs- und Bauzeit anzusetzen wäre.