Planung der Elektrifizierung München-Lindau kann beginnen - DB AG-Bevollmächtigter Josel schreibt an Landtagsvizepräsident Bocklet

Die Entwurfs- und Genehmigungsplanung für die Elektrifizierung der Bahnstrecke München-Lindau kann nun beginnen. Dies hat der Konzernbevollmächtigte der DB AG, Klaus-Dieter Josel, dem Vizepräsidenten des Bayerischen Landtags, MdL Reinhold Bocklet in einem Schreiben mitgeteilt. Bocklet hatte sich in seiner Eigenschaft als derzeitiger Vorsitzender der Bodensee-Parlamentarierkonferenz an den Vorstandsvorsitzenden der DB AG Dr. Rüdiger Grube gewandt und im Namen der Konferenz die Forderung übermittelt, die seit langem zugesagte Elektrifizierung der Bahnstrecke München-Lindau endlich in Angriff zu nehmen. Die Bodensee-Parlamentarierkonferenz besteht aus Abgeordneten der Landtage von Bayern, Baden-Württemberg, Vorarlberg und Liechtenstein und der Kantone Appenzell Außerrhoden und Innerrhoden, Schaffhausen, St. Gallen, Thurgau und Zürich. Sie tagte zuletzt am 15. März 2013 in München.

Nachdem die Kostenschätzung der Vorplanung im Herbst 2012 Verteuerungen bei Planungskosten, Signaltechnik, Oberleitungsbau und beim Lärmschutz ergeben hatte, die einen Anstieg der Gesamtkosten des Vorhabens von 210 Mio. Euro auf rund 310 Mio. Euro zur Folge hatten, war es im Frühjahr 2013 zu einem Tauziehen zwischen dem Bundesverkehrsministerium und dem bayerischen Wirtschaftsministerium gekommen, wie die Finanzierungslücke geschlossen werden könne, um das Projekt zeitnah weiterführen zu können. Nun hat sich der Bund bereit erklärt, weitere 113,5 Mio. Euro aus Bedarfsplanmitteln zu finanzieren. Diese Zusatzfinanzierung muss allerdings noch vertraglich bestätigt werden, was in der ersten Jahreshälfte 2014 geschehen soll.

Die Ursache für die massive Kostensteigerung liegt in der aktualisierten Prognose des Bundesverkehrsministeriums über künftige Güterverkehrszahlen, derzufolge nachts abschnittsweise bis zu neun Züge auf der Strecke unterwegs sein werden. Obwohl die DB AG davon ausgeht, dass diese Zugzahlen nicht erreicht werden, muss nun der Lärmschutz mit einem Aufwand von rund 30 Mio. Euro auf diese Prognose hin ausgelegt werden. Demnach sind auf Grund aktueller Schätzungen auf einer Gesamtlänge von mehr als 17 Kilometern Schallschutzwände zu errichten. Zusätzliche Planungen wurden in den Bereichen Oberleitung, Oberbau und Signalanlagen notwendig. Die aktualisierte Prognose, verschärfte Vorschriften und detaillierte Gutachten hatten schließlich zur Folge, dass die ursprüngliche Kostenkalkulation aus dem Jahr 2007 nicht zu halten war.

Landtagsvizepräsident Bocklet wies in diesem Zusammenhang auch auf die Gefahr hin, dass die von der Schweiz zur Verfügung gestellten 50 Mio. Euro verfallen, wenn die Elektrifizierung der Strecke München-Lindau nicht bis zum Jahr 2020 zustande kommt und forderte eine schnellstmögliche Schließung der Finanzierungslücke. Von Seiten der Bahn wird nun betont, dass „die gewünschte Inbetriebnahme 2019 … nochmals durch ein externes Expertenteam intensiv geprüft“ worden sei, dass sich jedoch „der hierfür erforderliche Bauablauf nur mit sehr großen Risiken und erheblichen betrieblichen Einschränkungen des Zugverkehrs im gesamten Allgäu darstellen lasse“. „Daher gehen wir weiterhin von einer, auf realistischen Prämissen beruhenden Inbetriebnahme im Jahr 2020 aus“, heißt es in dem Schreiben des Konzernbevollmächtigten Josel wörtlich.

Nach der Einigung zwischen Bund und Freistaat kann nun mit der Entwurfs- und Genehmigungsplanung begonnen werden. Die Entwurfsplanung startet mit der Umweltplanung, Vermessung und vertiefenden Baugrunduntersuchung. Die Durchführung der Kartierung vor Ort ist ab August geplant. Die Baugrunduntersuchung beginnt im Juni. In diesem Monat wird auch die Entwurfsvermessung der Bahnhöfe, Bahnübergänge und Straßenüberführungen in Angriff genommen. Die Aufnahme eines digitalen Geländemodells soll über ein Flächenscanning aus der Luft erfolgen. Nach Abschluss der Genehmigungsplanung sollen die Planfeststellungsverfahren abschnittsweise ab dem 1. Halbjahr 2015 eingeleitet werden.