Leserbrief -Der ehemalige Schlachthofgeschäftsführer Max Keil vermag sich in seinem in der Ausgabe vom 31. August 2017 veröffentlichten Leserbrief bedauerlicherweise nicht mehr zuverlässig an die Entstehungsgeschichte des Brucker Schlachthofs zu erinnern

1. Herr Keil behauptet („berichtigt"), dass „der ehemalige Minister Bocklet sich 1996 zunächst gesträubt hat, den Brucker Schlachthof durch das sogenannte Metzger-schlachthof-Programm zu fördern". Dies entspricht nicht den Tatsachen.

Richtig ist, dass das Metzgerschlachthof-Programm von mir überhaupt erst ins Le-ben gerufen wurde, um den Brucker Schlachthof in erneuerter Form weiterbetrei-ben zu können.

2. Herr Keil behauptet, der alte kommunale Schlachthof von Weilheim sei mit vielen Millionen aus dem „Bocklet-Programm" gefördert worden. Dies entspricht nicht den Tatsachen.

Richtig ist, dass der Weilheimer Schlachthof aus dem bestehenden Marktstruktur-förderprogramm des Freistaates gefördert worden ist, wobei die Betreibergesell-schaft das erforderliche Eigenkapital nachgewiesen hatte. Das Metzgerschlacht-hof-Programm gab es zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht.

Richtig ist, dass mit dem damaligen Marktstrukturförderprogramm dem Brucker Schlachthof nicht hätte geholfen werden können, da es lediglich die Investitionen in den Bereichen Kühlung und Zerlegung eines Schlachthofes bezuschusste.

Um den Bruckern – ungeachtet der Zurückhaltung in der Metzgerinnung – über-haupt einen neuen Schlachthof zu ermöglichen, musste ein neues Programm ge-schaffen werden, das die Errichtung eines ganzen Schlachthofes förderte, wobei es angesichts der begrenzten Mittel der Betreiber notwendig war, mit der staatlichen Förderung bis an die EU-rechtlich erlaubte Obergrenze von 54,9 % der Investiti-onskosten zu gehen. Natürlich musste das Programm auf den ganzen Freistaat ausgerichtet sein und konnte nicht nur auf die Brucker Bedürfnisse abstellen. So Bayerischer Landtag, Maximilianeum, 81627 München Postfach 12 52, 82180 Gröbenzell

entstand das bayerische Metzgerschlachthof-Programm, das einerseits zum Ziel hatte, die regionale Verarbeitung und Vermarktung von Fleischprodukten zu för-dern und andererseits mittelständischen Metzgerbetrieben, aber auch Direktver-marktern Entwicklungschancen zu eröffnen. Erst auf dieser Grundlage („Bocklet- Programm") konnte der Brucker Schlachthof unter Einhaltung der EU-Standards verwirklicht werden. Als Besonderheit kam beim Brucker Schlachthof noch hinzu, dass er auf der Basis einer Mehrzahl von Metzgern und bäuerlichen Direktver-marktern geführt wurde, während es sich bei den übrigen Förderadressaten um ei-gentümergeführte Betriebe handelte, die sich in der Folge allesamt erfreulich gut entwickelten. Auch das Konzept des Brucker Schlachthofs hat sich grundsätzlich bewährt und die Erwartungen zum Nutzen von Erzeugern und Verbrauchern er-füllt. Es kann aber im Blick auf die Zukunft kein Zweifel daran bestehen, dass an-gesichts der zuletzt festgestellten erheblichen Verstöße gegen den Tierschutz nicht nur die veterinärrechtliche Kontrolle, sondern auch das betriebliche Management gefordert sind.

Reinhold Bocklet, MdL

Staatsminister a.D.

1. Vizepräsident des Bayerischen Landtags